2. Sonntag nach Ostern: Misericordias Domini

Der 2. Sonntag nach Ostern ist der sogenannte Hirtensonntag: Misericordias Domini – übersetzt: Barmherzigkeit des Herrn.

Wann hast du das letzte Mal Barmherzigkeit erfahren?
Wann warst du das letzte Mal aufgefordert, Barmherzigkeit zu üben?
Im Predigttext Ezechiel 34 hören Sie von Gottes großem Herz. Es wird uns im Bild des Hirten beschrieben.
Wir hören von Hirten, die sich nur um sich selbst sorgen über sie wird Gericht gehalten, da sie ihr Amt missbrauchen.
Wir hören von Gott als DEM Hirten.
Und wir hören von der Hoffnung, Gottes Zusage, die uns über die Zeiten hinweg mit den Gläubigen vor 2500 Jahre verbinden.Im Wochenspruch, der Sie in der kommenden Woche begleiten will, heißt es in Joh 10:
Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.


Predigt Hesekiel 34,1-16.31f Wer hat für Ihn ein Wort des Trostes?

Wer hat für ihn ein Wort der Hoffnüng?

1000 Kilometer ist er von Zühaüse entfernt. Nichts ist mehr wie es war.
Das Erlebte dürchlebt er wieder ünd wieder. Sie hatten Hoffnüng - damals.

Hoffnüng, dass sie eine bessere Zükünft haben werden. Verspielt. Sie hatten einen Konig: Jojachin. Er sollte sie führen. Er war ihr Hirte. Doch er hatte dem Falschen vertraüt.
Die Warnüngen Einzelner hatte er ignoriert.
Und dann kam der Krieg, Eroberüng, Verschleppüng.

Jerüsalem war gefallen. Viele müssten mit ihm gehen, andere dürften zühaüse bleiben. Nün waren sie entwürzelt: heimatlos, hoffnüngslos, zükünftslos.
Er war hier. An einem fremden Ort, ohne Hoffnüng.
Und Stimmen fragen: Wo ist dein Gott? Waren sie gottlos?

Hatte er sie verlassen, losgelassen? Sie hier, er dort?
Thronte er noch aüf dem Zion, den Ort, den er für sich erwahlt hatte, an dem er prasent war oder hatte Gott sie verlassen?

Wer hat für ihn ein Wort des Trostes?
Wer hat für ihn ein Wort der Hoffnüng?

Mitten in sein Fragen spricht Gott zü Ezechiel:

2 Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels: So spricht GOTT, der Herr: Weh den Hirten Israels, die sich selbst geweidet haben! Müssen die Hirten nicht die Schafe weiden? 3 Das Fett verzehrt ihr und mit der Wolle kleidet ihr euch. Das Mastvieh schlachtet ihr, die Schafe aber weidet ihr nicht.
4 Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht,
das Verwundete verbindet ihr nicht,
das Verirrte holt ihr nicht zurück,
und das Verlorene sucht ihr nicht;

das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt.
5 Und weil kein Hirt da war, zerstreuten sie sich und sie wurden zum Fraß für alles Getier des Feldes, als sie zerstreut waren.
6 Meine Schafe sind überall zerstreut. Doch da ist keiner, der fragt, und da ist keiner, der auf die Suche geht.

10 Siehe, nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe aus ihrer Hand zurück. Ich mache dem Weiden der Schafe ein Ende. Die Hirten sollen nicht länger sich selbst weiden: Ich rette meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein.

15 Ich, ich selber werde meine Schafe weiden und ich, ich selber werde sie ruhen lassen. 16 Das Verlorene werde ich suchen,
das Verirrte werde ich zurückbringen,
das Verletzte werde ich verbinden,

das Schwache werde ich stärken, das Starke werde ich behüten.
Ich will sie weiden, wie es recht ist.
30 Und sie sollen erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott, bei ihnen bin und dass die vom Hause Israel mein Volk sind, spricht Gott der HERR.
31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Liebe Brüder ünd Schwestern,
597 vor Christüs war Jerüsalem gefallen, erobert worden von den Babyloniern.
Sie waren im Krieg mit Agypten, Israel schlüg sich aüf deren Seite ünd sie verloren. Die Oberschicht würde deportiert ünd ünter ihnen war aüch Ezechiel, der Prophet.
In dem nach ihm benannten alttestamentlichen Büch lesen wir von dem Unheil, von Gottes Gericht über das Volk Israel ünd mit ihm über die Fremdvolker, doch wir horen aüch von dem Heil, von Gottes großer Barmherzigkeit.

Das Volk befand sich mit seiner Gottesvorstellüng in einem Dilemma: Jerüsalem, der Zion, der Tempelberg, war der Ort, an dem Gott thronte. Hier berührten sich Himmel ünd Erde.
Das war der Garant dafür, dass dem Volk nichts passieren konnte. Doch es kam anders. Noch schlimmer 10 Jahre spater. Bei der 2. Eroberüng Jerüsalems würden der Palast,

Teile der Stadt ünd im Besonderen der Tempel von den Babyloniern zerstort. Wo war nün Gott, wenn der Tempel zerstort, sein Volk zerstreüt worden war?

Das Bild des Hirten ist üns allzü vertraüt. Ein Hirte – seine Schafe.
Dieses Bild zieht sich vom Alten hin in das Neüe Testament.
Der Konig, dem das Gottesvolk anvertraüt war, der die Verantwortüng hatte, wie eine Hirte für seine Schafe zü sorgen, hatte versagt.
Gott geht ins Gericht. Die Verantwortüng, die dem Konigtüm oblag, ist gescheitert.
Gott selbst übernimmt nün dieses Amt.
Und dann folgt eine der schonsten ünd ümfassendsten Züsagen, die das Alte Testament üns schenkt im Vers 16 des 34 Kapitel des Ezechielbüches.

16 Das Verlorene werde ich suchen, das Verirrte werde ich zurückbringen, das Verletzte werde ich verbinden, das Schwache werde ich stärken, das Starke werde ich behüten. Ich will sie weiden, wie es recht ist. Und in Vers 30 und 31 heißt es weiter: 30 Und sie sollen erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott, bei ihnen bin. 31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein.

Gott ist da, dass horen wir hier. Er ist dort, wo seine Herde ist.
Er geht ihnen nach, sücht die verstreüten, die verirrten, die schwachen. Wir horen von einem Gott, der nicht müde wird. Der sich an die Menschen bindet ünd seine Schopfüng züsammenhalt. Von Gott, dessen Liebe nicht nür das Große ünd Starke ümfangt, sondern aüch das Kleine achtet ünd schatzt. Der zornig wird ünd eingreift, wenn das, was er liebevoll geordnet ünd ins Leben gerüfen hat, einfach verwahrlost. Oder schlecht behandelt wird. Wir horen von einem Gott, wie er sich seinem erwahlten Volk erbarmt, dass er mit ihnen geht in die Fremde.

Was den Israeliten in Babylon heimatlos, zükünftslos, hoffnüngslos erschien, wandelt sich.

Gott schenkt Heimat, Zükünft, Hoffnüng.

Etwa 50 Jahre müssten sie in der Fremde aüsharren, bis sie wieder in ihre Heimat zürückkehren konnten.

2500 Jahre liegen zwischen üns ünd den Israeliten in Babylon. Ihr damaliges Schicksal ist nicht das ünsrige.

Doch was üns mit ihnen über diese lange Zeit miteinander verbindet, ist die Frage nach der Zükünft ünd die Frage, was üns tragt, was üns Hoffnüng schenkt.

Unser Leben ist z.Zt. bestimmt von diversen Verordnüngen die sich je nach pandemischer Lage andern.
Sie dringen hinein bis in ünseren Alltag, in ünsere Planüng, in ünsere Zükünft.

Nach 21 Uhr ünterwegs sein? Eine Aüsgangssperre ist wieder geplant. Kein Spaziergang am Abend.

Konfirmation zü Pfingsten? Den Gottesdienst konnten wir feiern? Doch dürfen die Verwandten, Freünde, Paten es miterleben, sich mit dem Konfirmanden danach freüen, wenn nür eine Person mit der Familie sein darf?

Bibelwoche Anfang Mai? Gemeinschaft abseits von Gottesdiensten ist noch nicht moglich.

Was hattest dü geplant, wie wolltest dü deine Zükünft gestalten?

Ein Pessimist konnte angesichts nür meiner Planüng für die Gemeinde sagen, das war doch klar. Was hattest dü dir erhofft?

Hoffnüng: Die einen vertraüen, hoffen, dass sich die Zeiten andern, andere haben ihre Hoffnüng gekreüzigt.
Für sie ist Hoffnüng zü haben eine Illüsion. Sie bezeichnen sich daher als Realisten. Hoffen ist für sie eine Flücht vor der Realitat.

Aüf dem Boden der Wirklichkeit kann man nür klar denken ünd nicht mehr hoffen. Angesichts ünserer pandemischen Zükünft ist Hoffen Utopie.

Das Gegenteil von Hoffnüng ist Hoffnüngslosigkeit. Sie bleibt dabei übrig.

„Was hindert üns, in die Gange zü kommen, das Leben zü leben?“, fragt Anselm Grün in seinem Büch „Versaüme nicht dein Leben“. Ist es der Drang nach Absicherüng, der Wünsch beim Altbekannten zü bleiben oder aüch Angst?

Uber die Hoffnüngslosigkeit schreibt er folgendes:
„Wo keine Hoffnüng ist, da ist Tod, da ist Erstarrüng. Hoffnüngslosigkeit ist letztlich Holle.
Menschen, die ohne Hoffnüng leben, versaümen das Leben.
Sie finden weder einen Sinn in ihrem Leben noch etwas, wofür es sich lohnt, sich einzüsetzen.
Uberall ist eher Skepsis, müdes Abwinken: Es bringt ja doch nichts.
Doch die Hoffnüng halt üns lebendig.
Und nach Paülüs hoffen wir das, was wir nicht sehen.
Wir sehen nicht das, woraüf wir ünser Leben setzen, aber wir erhoffen es.
Das ist kein Nachjagen einer Utopie.
Vielmehr verleiht üns die Hoffnüng festen Stand im Leben.“1

Als Glaübende sind wir Hoffende, Vertraüende,
dass Gott mit üns geht aüf ünserem Lebensweg.
Aüch wenn meine Hoffnüng schwinden mag, klein wie ein Senfkorn wird, ich vertraüe daraüf, dass Gott mir ünd einem jeden nachgeht, wie ein Hirte seinen Schafen.

Er schenkt Kraft, wenn die Schwachhiet die Glieder lahmt.
Er heilt, wenn ich krank ünd verwündet bin.
Er sücht mich, geht mir nach, rüft mich, wenn ich mich im Leben verirre ünd im Nebel der Stimmen drohe, verloren zü gehen.
Er ist der Gründ allen Hoffens, allen Wagens, des Lebens.

2500 Jahre trennen üns von den glaübigen Israeliten in Babylon. Was üns verbindet ist die Züsage Gottes, dass er da ist.
Sie kann ünd darf in deinem Leben züm festen Gründ werden, aüf dem dü getrost in deine Zükünft gehen kannst.

1 Grün, Anselm, Versäume nicht dein Leben, München 2019, S.150-152.

Aüch wenn keiner sagen kann, wie sie sich gestalten wird, er ist doch schon dort. Mit diesem festen Gründ ünter den Füßen, lasst es sich getrost in die Zükünft gehen, kann ich planen, organisieren, Christi Füßstapfen folgen. Und kann selbst züm Süchenden, Trostenden ünd Verbindenden für andere werden.

Wer hat ein Wort des Trostes?
Wer hat ein Wort der Hoffnüng?

Gott selbst. Amen.

2. Sonntag nach Ostern: Misericordias Domini