Lebe ich als Christ?

Okuli – Augen: Thema des Sonntages – sehen und gesehen werden, doch nicht allein dies – heute geht es zugleich um unser Tun und Reden.

Im Bibelvers, der uns in der kommenden Woche begleiten will, heißt es:
 Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lk 9,62
 
Wie lebe ich als Christ – bin ich geschickt für das Reich Gottes?
Worauf richte ich meinen Blick?


Predigt Eph 5, 1-9

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christi. Amen.

Liebe Brüder und Schwestern,
Lebst du deine Träume oder träumst du dein Leben?
An zwei Träume meiner Kindheit kann ich mich erinnern.
Ich träumte vom Fliegen. Ich träumte, dass ich mal wieder auf dem Weg zu meiner Tante war. Sie verkaufte auch Eis. Und so träumte ich, dass ich zu ihr rannte, so schnell ich konnte und dann geschah es: ich hob ab, Ich flog. Alles wurde ganz klein unter mir. Pure Freiheit.
Heute muss ich über diesen Traum immer noch schmunzeln.
Kein Traum ist es, dass wir fliegen können.
Die Flügel haben wir. Wir sind grenzenlose, freie, befreite. In Gal 5 heißt es: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Christi Weg, sein Leiden, sein Tod, er hat es getan, damit wir befreit werden.
Befreit aus den Finsternis, den Sünden, dem Tod.
Wir gehen auf Ostern zu und das spiegeln auch die Themen der Sonntage der Passionszeit wider. Sie beleuchten jeweils einen Aspekt, der für Karfreitag und Ostern wichtig ist.
Am Sonntag vor zwei Wochen war das Böse Thema und wie es in der Welt und mir wirken kann. Ich hatte es überschrieben mit: „Die Schatten in mir“.
Am vergangenen Sonntag hörten wir dann das Lied vom Weinberg aus Jes 5. Hier wurde uns vor Augen geführt, wie sehr Gott liebt, und was es für Folgen haben kann, wenn er seine Liebe entzieht.

Perle für Perle reihen sich die Themen wie auf einer Schnur aneinander. Von Tod und Ewigkeit hören wir am kommenden Sonntag und danach von Gerechtigkeit, Wissen und Glauben.

Nach dem Thema das Böse und dem Thema Gott werden unsere Augen heute nun auf uns selbst gerichtet.

Lebst du deine Träume oder träumst du dein Leben? Wir bekommen es heute mit der Realität zu tun.

Steigen auf, schauen aus der Vogelperspektive auf das, was wir wollen und tun. Christus hat für uns sein Leben gegeben. Ihm folgen wir.

Doch leben wir als Christen wirklich als Christusnachfolger
oder ist dies nur ein Postulat,
eine folgenlose Überschrift über meinem Leben in dessen Realität ich aber doch nur dem Schatten folge,
in der Finsternis lebe?
Ist mein Christsein nur ein Traum?

Ich danke Dir, Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen., ruft der Beter im Gleichnis Lk 18,11.
Die Überschrift über meinem Leben seit meiner Taufe heißt:
Ich bin Christ – ich bin also eine Christusnachfolgerin.

Im Predigttext Eph 5 wird der Christ mit einem wunderschönen Bild beschrieben, ein Christ ist ein Kind des Lichts.
Wir sind Kinder des Lichtes – Du bist Kind des Lichts.
Auf der einen Seiten das Licht, auf der anderen Seite die Finsternis. Auf der einen Seite die Kinder des Lichts, auf der anderen Seite die Kinder der Finsternis und dazwischen eine Grenze.

In Eph 5 wird uns gesagt:
1 So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder 2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. 3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, 4 auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. 5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. 6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. 7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen.
8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; 9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Cut. Hier die einen, dort die anderen. Wer zu den einen, wer zu den anderen gehört, wird ganz klar aufgezählt.
Zu den Kindern der Finsternis gehören die Unzüchtigen und die Unreinen, die Verführer, die Habsüchtigen, diejenigen, die schändliches Tun und diejenigen, die närrisch und lose reden. Zu den Kindern des Lichts hingegen gehören die, die Gott nachahmen, in der Liebe wandeln, gütig, gerecht, dankbar und wahrheitsliebend sind.

Ich danke Dir Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen., betet der Beter.

Was haben die Epheser getan, dass sie derart ermahnt werden?
Haben Sie wirklich als Christusnachfolger gelebt, Christus nachgeahmt oder war es inzwischen nur zu einer folgenlosen Überschrift über ihrem Leben geworden??

Christ zu sein hat Folgen. Wer Christ wird, als Christ leben will, darf nicht erwarten, dass nun alles gut wird.

Es ist keine einfache Formel: Einmal auf der Seite des Lichts, immer auf der Seite des Lichts. Christen müssen den Schatten standhalten, die einen erhaschen wollen, die einen wieder in die Finsternis ziehen wollen. Die Finsternis kennt keine Grenzen, keine Spielregeln. Es greift an: von außen, von innen.

Im Psalm 34 durften wir heute wieder einen Beter hören, der an Gott festhält. Sein tiefes Vertrauen kann zum Vorbild werden, wenn auch wir angegriffen werden.

Der Beter wird gehasst, von den Frevlern angegriffen. Seine ganze Not schreit er zu Gott, sein Herz ist zerbrochen und sein Gemüt geschlagen. Doch in all dem schaut der Beter auf Gott. Er gibt seinen Glauben und seine Hoffnung nicht auf. Er lässt nicht zu, dass die Finsternis ihn ergreift. Er behält das Licht im Blick.

Jeremia geht es noch einen Ticken schlimmer.
Auch er wird angegriffen. Er wird verspottet und verlacht. Die Worte der Anderen dringen tief in sein Herz ein. Heute hätte er sich wahrscheinlich an einen Psychologen gewandt. Denn die Worte machen ihn so sehr krank, dass er sie im ganzen Körper spürt.
Er erträgt es nicht mehr, will fast aufgeben, nachgeben. Fast hätte er es getan. Fast hätte die

Finsternis ihn ergriffen.
Jeremia ist allein. Er auf der einen Seite, die anderen, die Gruppe auf der anderen.

Von den Worten, die andere zerstören, Worte der Finsternis sind, spricht auch Paulus im Epheserbrief. Leere Worte, närrisches, loses Reden, Geschwätz. Doch hier sind es keine Angriffe von außen, es geschieht mitten in der Gemeinde. Die Kinder des Lichts reden als Kinder der Finsternis. Hier scheint es, dass ihr Christsein nur noch zu einer leeren Überschrift ohne Inhalt geworden ist.

Langsam kann sich der Inhalt leeren.
Langsam schleichen sich Gewohnheiten und Verhaltensweisen ein, die gar nicht zur Lebensüberschrift passen. Ein unpassendes Wort hier, ein abwertender Blick, eine kalte Schulter dort, verletzte Gefühle wollen heimzahlen. Dann bestimmen sie das Reden und Handeln. Und eh man sich versieht, spielt das Licht keine Rolle mehr, die Grenze zwischen dem Reich des Lichts und dem Reich der Finsternis wurde überschritten.

Auch der Beter aus Lk hat diese Grenze überschritten und bemerkt es gar nicht, indem er spricht: Ich danke Dir Gott, dass ich nicht so bin wie die anderen.

Er zeigt mit dem Zeigefinger auf die anderen und dabei bemerkte er nicht, dass die anderen drei Finger auf ihn selbst zeigen.
Probiere es einmal aus. Schau dir deine Hand an. Auf jemanden zu zeigen ist einfach, doch drei Finger stellen einen selbst in Frage.

Es ist wichtig, sich selbst immer wieder kritisch zu überprüfen. Ist das, was ich tue, was ich sage im Sinne Christi? Passt mein Leben, mein Reden und Handeln zu meiner Lebensüberschrift Christusnachfolger?

Einen weiteren wunderschönen Namen hält Paulus für die Christen noch bereit. Christusnachahmer. Wir sind Christusnachahmer.

Wer nachahmt möchte vom anderen lernen, will so sein wie er und übt sich ein. Die, die also mit Ernst Christ sein wollen, müssen immer wieder sich selbstkritisch überprüfen und sich fragen: Handle ich, wie es Christus – Gottes Wille ist?

Als Jugendliche hatte ich einmal ein Armband, auf dem man vier Buchstaben lesen konnte: WWJD?
What would Jesus do? Was würde Jesus tun?
Es sollte den Träger erinnern, ob das eigenen Handeln und Reden im Sinne Jesu ist.

Heute trage ich eine Kreuzkette.
Sie erinnert mich, dass ich Christin bin. Ein Kind des Lichts. Sie erinnert mich, dass ich dran bleiben soll und muss. Auch wenn die Schatten nach mit greifen.
Wenn ich angegriffen werde von außen und von innen, damit ich nicht selbst Teil der Finsternis werde, sondern strahle.
Christus wurde für uns zum Licht in der Finsternis dieser Welt.
Als Christen haben wir die Pflicht und die Aufgabe als Lichter zu leben, und zum Licht für die anderen zu werden.

Aber dies bedeutet Arbeit, Gewohntes umzustellen, anders zu handeln und ständiges kritisches Selbstüberprüfen.

Den Weg dorthin beschreibt Luther so:
Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden,
nicht ein Sein, sondern ein Werden,
nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber.
Es ist noch nicht getan oder geschehen,
es ist aber im Gang und im Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg.
Es glüht und glänzt noch nicht alles,
es reinigt sich aber alles.

Martin Luther (1483–1546); In: Grund und Ursach (1521)

Werde Kind des Licht und lebe so, als ob du es bereits zu 100%, denn seit der Taufe steht es über deinem Leben. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.


Die Predigt zum Nachhören finden Sie hier, zum Lesen hier drauf klicken.