19.04.2022
Leben im Bewusstsein der Ewigkeit. Ostern unser Jetzt.

eine Osterpredigt von Pfarrerin Constanze Lenski

Haben Sie genug gelacht? Genug geliebt? Genug gelebt?

Was wäre wenn? Wenn Sie nur noch letzte Minuten, letzte Sekunden hätten?

Und dann: Tot. Angehörige, Freunde stehen am Grab. Farbenfrohe Blumen schmücken es. Ein letzter Gruß. Letzte Worte. Vorletzte Tränen. Loslassen.

Tot und was dann? Was erwartet mich? Das leere, sinnlose Nichts?

„Nicht in die Leere falle die Vielfalt des irdischen Seins.“, heißt es in einem Gebet.

Nein, ich falle nicht. Nicht im Jenseits, nicht im Diesseits. Hände halten mich, wenn mir angesichts der diesseitigen Schrecken, des Leids, der Ohnmacht schwindlig wird, ich zu fallen drohe.

Das Maul des Nichts reißt seinen Rachen auf, will verschlingen. Hoffnungslosigkeit ist sein Atem. Mitten im Jetzt haschen bereits die düsteren Hände des Todes nach dem Leben.

Die Lebensuhr tickt. Unaufhaltsam dreht sie ihre Runden, in gewohnten Bahnen. Tick, tack.

Irgendwann bleibt sie stehen. Wenige Augen schauen auf, setzen sich mit dem eigenen Ende auseinander. Das Heute ist auszuhalten. Morgen ist morgen.

Und dann ganz plötzlich, die letzten Minuten, die letzten Sekunden. Tick, tack. Die Uhr bleibt stehen. Tot.

In Trauergesprächen höre ich oft: „Sein – ihr Leben war Arbeit.“. Gibt es denn nichts weiter über das Leben zu sagen als dieses? War´s das? Hoffentlich weiß der Verstorbene anderes über sein Leben zu berichten. Was würden Sie über ihr Leben erzählen?

Haben Sie genug gelacht? Genug gelebt? Genug Freude und Liebe verschenkt? Waren Sie da, wenn andere Hilfe benötigt haben? Mit was haben Sie ihr Leben gefüllt?

Wer Ostern begreifen will, muss mit Christus an Karfreitag in seinen Tod gehen. Muss hinabsteigen in die tiefste Tiefe des sinnlosen, leeren Nichts, mitten durch Leid, Schmerz, Tränen, Tod. Wer Ostern bergreifen will, der wird mit Christus an Ostern auferstehen ins Leben, in die Hoffnung.

Ostern ist nicht niedlich, flauschig, schokoladig. Ostern ist radikal. Es stellt mich, mein Leben, mein Sein infrage.

Tick, tack. Die Lebensuhr bleibt stehen. Tot. Plötzlich. Ein kurzes Ruckeln. Sie dreht sich weiter. Ewigkeit. Es ist Ostern.

Und "Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle." | Offb 1,18

Ein gesegnetes Osterfest Ihre Pfarrerin Lenski