03.01.2022
Predigt zum Altjahresabend 2021

Altjahresabend: Wir nehmen uns die Zeit und halten inne. Wir schauen auf das vergangene Jahr und auf das kommende. Vieles was war, steht vielleicht noch lebhaft vor Augen, doch vieles ist auch vergessen. Der Blick ist begrenzt. Für das neue Jahr haben wir Vorhaben, Gutes soll werden, doch das, was uns und unser Leben verdunkeln will, soll fernbleiben. Im heutigen Predigttext, einem Gleichnis aus Matthäus 13, wird uns vor Augen geführt, dass Gutes und Schlechtes im Leben gedeiht. Hier können Sie die Predigt lesen.

Matth 13, 24-30 Altjahresabend

Einführung

Liebe Brüder und Schwestern,

Altjahresabend: Wir nehmen uns die Zeit und halten inne. Wir schauen auf das vergangene Jahr und auf das kommende. Vieles was war, steht vielleicht noch lebhaft vor Augen, doch vieles ist auch vergessen. Der Blick ist begrenzt.

Für das neue Jahr haben wir Vorhaben, Gutes soll werden, doch das, was uns und unser Leben verdunkeln will, soll fernbleiben.

Im heutigen Predigttext, einem Gleichnis aus Matthäus 13, wird uns vor Augen geführt, dass Gutes und Schlechtes im Leben gedeiht. Dieses wird unterschieden mit Weizen und Unkraut.

Mit Unkraut könnte im Predigttext der Taumel-Lolch gemeint sein. Er sieht am Anfang dem Weizen zum Verwechseln ähnlich. Ein Halm, Ähren, fest verwurzelt in der Erde, doch er ist giftig. Erst später, sind beide voneinander zu unterscheiden, wer der Weizen und wer der Taumel-Lolch ist. Beide zusammen wachsen auf dem Feld, das, was Leben erhält und das, was vergiftet. Z. Zt. der Ernte wurden dann beide eingesammelt. Den Weizen in die Scheune, das Unkraut zum Feuern. Im brennholzarmen Palästina wurde der Taumel-Lolch zum Feuern genutzt. Er wurde also verbrannt. Mit dem Gleichnis sind wir also wieder ganz nah an dem Lebensalltag und -praxis der Menschen z.Zt. Jesu.

PT

In Matthäus heißt es:

24 Jesus erzählte ihnen ein Gleichnis:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.

27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?

28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan.

Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29 Er entgegnete: Nein, macht das nicht. Es könnte passieren, dass ihr zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. 30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Zur Zeit der Ernte werde ich dann den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

Deutung des Gleichnisses

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen.

Gleichnisse sind bildhafte Geschichten, die uns etwas verdeutlichen wollen. Wir sind herausgefordert, diese Bilder zu deuten. Zugleich werden wir durch sie aufgefordert, uns in den Gleichnissen selbst zu entdecken und unser Leben zu verändern.

Der Weizen und das Unkraut also.

Halte ich das Gleichnis wie eine Schablone auf die Welt, auf die Menschen, dann wird mir mit dem Gleichnis auf den ersten Blick gesagt, es gibt Menschen, die der Weizen sind und es gibt Menschen, die Unkraut sind. Beide zusammen leben sie, wachsen, gedeihen, bringen Frucht, wie die Ähren.

Und ich frage mich, wer bin ich: Weizen? Unkraut?

Kann ich denn von einem anderen sagen, zu wem er gehört?

Zum Weizen oder zum Unkraut?

Ich würde gern sagen, dass ich zum Weizen gehöre, nicht zum Unkraut? Doch ist mein Urteil richtig?

Das bringt mich zu meinem 2. Gedanken: Wenn ich mich weder im Weizen noch im Unkraut wiederfinde, vielleicht im Acker?

Damit etwas wachsen kann, braucht es Boden, Nährboden.

Gutes gedeiht hier, das, was dem Leben dient, aber auch das, was Leben verhindert, es wie der Taumellolch vergiftet.

Gutes und Schlechtes. Dass eine mehr, dass andere weniger und doch ist beides da.

Ich schaue auf das Jahr 2021, sehe es in Bildern an mir vorbeiziehen, dass Gute und das Schlechte, dass, was mich mit Freude erfüllt hat und dass, was mich traurig gemacht hat,

dass, was ich gemacht und gesagt habe.

Halte ich das Gleichnis über meinen Blick auf die Vergangenheit, dann sehe ich, was alles gewachsen ist, viel Weizen, der gedeihen durfte, aber auch Unkraut.

Beides wuchs in mir, wurde größer, ich gab ihm Nahrung.

Doch ich sehe noch mehr, wenn ich zurückschaue. Ich sehe Menschen, denen ich begegnet bin. Gutes ist mir von ihnen widerfahren. Weizen, der wuchs. Doch auch hier Unkraut.

Unkraut, der das Leben, das Miteinander, die Worte vergiftete.

Damals war mit dem ersten Blick das Unkraut kaum vom Weizen zu unterscheiden, doch je mehr Zeit ins Land ging, umso mehr stellte sich heraus, dass ich mich täuschte, dass Vergiftung wuchs.

Solche Begegnungen und Erfahrungen können aus einem guten Acker einen schlechten machen, einen, der statt Weizen wachsen lässt, nur noch Unkraut.

Geduld – Aktionismus

Unkraut und Weizen wachsen auf dem Acker im Gleichnis. Die Knechte schauen sich das Drama an, wollen sogleich handeln. Doch der Hausherr stoppt sie. „Wartet!“, sagt er. „Wartet ab und seht zu.“

Jetzt ist Geduld gefragt. Warten, abwarten, zusehen, die Knechte sollen die Hände in den Schoß legen bis die Zeit der Ernte gekommen sein wird. Der Hausherr, Gott schaut auf den Acker seiner Welt. Sieht was hier wächst, was hier blüht und hat Geduld.

Auf dem Acker der Welt sind Kräfte nebeneinander, die das Leben und die Liebe fördern, aber auch Kräfte, die sich gewaltsam dagegenstemmen in der Welt und in mir.

Die Knechte würden gern loslegen, doch noch ist es nicht die Zeit. Gott hat Geduld mit seinem Menschen.

Er gibt uns Zeit, Zeit zum Leben, Zeit zum Wachsen lassen.

Er hat den Samen der Liebe ausgestreut. Für ihn sollen wir der Nährboden sein. Gutes soll gedeihen.

Altjahresabend: Wir nehmen uns die Zeit und halten inne. Schauen auf das vergangene Jahr, schauen auf das kommende. Vieles ist hier gewachsen.

Doch unser Blick ist begrenzt.

Der Blick des Predigttextes geht über unsere Zeit, unsere Lebenszeit noch hinaus.

Am Anfang des Gleichnisses heißt es: Mit dem Himmelreich ist es wie …

Das Gleichnis schaut mit uns auf das Ende der Zeit. Auf den Moment, wenn das Irdische vergangen sein wird, wenn Christus wiederkommt.

„Was wird er dann in uns finden?“, fragt mich das Gleichnis. Für was war ich in meinem Leben der Nährboden?

Was habe ich in meinem Leben wachsen lassen?

Das Gute, was Gott in mir gesät hat, oder das Schlechte?

Und das Gleichnis fragt mich auch: „Habe ich mir das Himmelreich dann verdient oder werde ich als Unkraut ins Feuer geworfen werden?“

Eine düstere Aussicht, die einem Angst machen könnte. Von diesem Ort wird in Vers 42 gesagt, dass in ihm Heulen und Zähneklappern sein wird.

Doch dieses Ende, die Ernte am Ende der Zeit macht mir keine Angst. Ich höre die Stimme des Engels vom Heiligabend. Er spricht: „Fürchte dich nicht!“.

Immer wieder wird es gesagt das „Fürchte dich nicht!“ zu den Hirten, zu Maria, zu Josef.

Hab keine Angst vor dem, was kommen wird.

Gleichnisse. Die bildhaften Geschichten. Sie wollen gedeutet werden. Doch zugleich fragen sie mich an, stellen mein Handeln und Reden in Frage heute am Altjahresabend.

In dem Augenblick, in dem ich den Blick über die Zeit streifen lasse, auf das, was war und auf das, was kommen wird.

Wenn du auf dein vergangenes Jahr schaust, was siehst du hier:

Momente des glücklichen Lebens, Momente der Traurigkeit und der Dunkelheit, Momente, in denen du vielleicht dachtest, es wächst Unkraut, doch es wandelte sich zu Weizen? Oder vielleicht umgekehrt?

Wenn du das Gleichnis wie eine Schablone auf dein Leben hältst, was siehst du?

Was hast du wachsen lassen, was hast du andere angedeihen lassen und sie dir?

Für wen oder was bist du der Nährboden und was düngst du?

Das Unkraut? Den Weizen?

Gott hat das Gute gesät. Er will, dass auch wir in der Welt Gutes säen. In Worten, in Taten. Gegenüber anderen und in uns.

Er hat Geduld mit seinem Menschen, unendlich viel Geduld. Mit mir, mit dir. In seinem Vertrauen auf uns, können auch wir im Vertrauen auf ihn in das neue Jahr gehen. Er ist da und schenkt uns unsere Zeit. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinnen in Jesus Christi. Amen.